Was wollen Sie damit sagen?!

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Wie oft habe ich während meines Germanistik- und Philosophie-Studiums lesen müssen: «Unpräzise Formulierung!» – Heute bin ich dankbar für die Gnadenlosigkeit der Professoren und umso erbarmungsloser, wenn ich den Rotstift ansetze. Mein persönlicher Leitfaden, wenn ich texte und lektoriere.

Adieu, Modalverben
Mein Credo: Modalverben, wenn immer möglich, vermeiden. Sie schwächen eine Aussage oft unnötig ab. «Ich kann Ihnen helfen», nein, ich kann nicht, ich tue! – Weg vom Schwammigen, hin zur knackigen Präzision! Das Suchen nach Alternativen verlangt zwar Zeit, macht einen Text aber auch lebhafter und aussagekräftiger.

Adjektive
«...macht einen Text aber auch lebhafter und aussagekräftiger.» – Erst stand da: «lebhafter und abwechslungsreicher». Hallo Redundanz. Im Marketing verwendet man Adjektive sowieso gerne inflationär. Wer etwas aussagen will, tut sich einen Gefallen, Bedeutungen zu hinterfragen. Weniger ist in dieser Hinsicht mehr.

Fett weg
Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich beispielsweise Newsletter-Texte mit Füllsätzen beginne oder auf Offensichtliches wie etwa das Wetter Bezug nehme. Füllsätze gehören diskussionslos gestrichen. Binsenwahrheiten haben nur einen Platz verdient, wenn sie der weitere Inhalt mit Sinn erfüllt (beispielsweise ein unerwarteter Link zu einer Dienstleistung oder einem Produkt).

Redewendungen
Ich finde oft Redewendungen in Texten, wo sie nichts verloren haben. Weil sie keinen Mehrwert generieren und/oder nicht zu Ende gedacht sind. Es gilt in jedem Fall zu überlegen, was die Redewendung bedeutet und inwiefern ihre Aussage tatsächlich mit dem Inhalt zusammenhängt. Ich google zudem schon seit längerer Zeit die Herkunft von Redewendungen, um unbeabsichtigte Zusammenhänge und unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Zwischen den Zeilen
Sprachspielereien und Andeutungen bringen Spannung in einen Text. Ich bin der Meinung, Leserinnen und Lesern darf ruhig etwas zugetraut werden. Eine Irritation regt zum Denken an. Aber es ist eine Kunst, subtil zu kommunizieren, ohne ins Elitäre zu kippen. Und ebenso, Sprachspielereien mit Präzision einzusetzen.

 

Brauchst du noch mehr Inputs? Ich kann das Buch «Deadline: Wie man besser schreibt» von Constantin Seibt wärmstens empfehlen.

Präzision

Der Blog-Beitrag ist Teil unserer ersten Schwerpunkt-Serie zum Thema Präzision.

Alle zwei Monate setzen wir einen neuen Schwerpunkt und teilen Wissen, hinterfragen, beleuchten und ordnen ein. Mit unstillbarem Wissensdurst, kritischer Haltung und gnadenloser Ehrlichkeit.