Suchmaschinen sind auch nur Menschen

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Die SEO-Welt steht Kopf. Grund dafür ist, dass Google vor einigen Tagen zum ersten Mal öffentlich bestätigt hat, dass es für seine Suchmaschine keine Top-Rankingfaktoren gibt. Stattdessen setzt der Google Algorithmus auf Relevanz. Das heisst, die verwendeten Rankingfaktoren können sich je nach Suchanfrage unterscheiden.

Entgegen der verbreiteten Meinung spielen dabei interne und externe Verlinkungen offenbar oftmals überhaupt keine Rolle mehr. Damit ist SEO tot. Schon wieder… immernoch… oder wie auch immer. Naja, ganz so einfach ist es natürlich nicht. SEO lebt, sie braucht allerdings einen neuen Fokus. Weg vom Wörterbuch und hin zum Bilderbuch.

Wörterbuch SEO
Früher, als Suchmaschinen noch dumm waren, war SEO ein Kinderspiel. Alles was man dafür brauchte war ein ganzer Haufen Backlinks (von irgendwelchen anderen Webseiten) und einige Keywords, die gezielt in den Überschriften, Texten, Bildbeschreibungen und Meta-Tags der eigenen Webseite integriert wurden. Am besten möglichst oft und absolut identisch. Das konnte dann beispielsweise durchaus auch mal so enden:

Der Vorteil der Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist, dass Inhalte durch die Optimierung auf Suchmaschinen in den Resultaten organischer Suchanfragen bei den jeweiligen Suchmaschinen auf einer höheren Position angezeigt werden, als Inhalte von Webseiten, die keine Suchmaschinenoptimierung betreiben. Dadurch hilft die Suchmaschinenoptimierung dabei, mehr Besucher über Suchmaschinen auf die eigene Webseite zu bringen.

Zugegeben, der Abschnitt liest sich in etwa so flüssig wie ein Duden. Aber man muss wohl niemandem mehr erklären, dass der Begriff Suchmaschine im Text eine gewisse Relevanz hat. Das hätten selbst die Suchmaschinen von damals herausgefunden und den Beitrag voraussichtlich relativ weit oben in den Resultaten für den entsprechenden Suchbegriff platziert. Die User Experience der effektiven Leser spielte dabei noch keine grosse Rolle.

Bilderbuch SEO
Über die letzten Jahre sind Suchmaschinen und ihre Algorithmen immer komplexer und intelligenter geworden. Stets darauf ausgerichtet, möglichst genau das liefern zu können, wonach wir gerade suchen. Ausgehend von diesem Ziel hat sich insbesondere Google bei der Bewertung von Inhalten immer stärker daran orientiert, wie echte Benutzer auf die Inhalte reagieren und wie sie damit interagieren. Die Suchmaschinen können mittlerweile selbständig aus diesen Daten lernen und werden uns dadurch etwas vereinfacht ausgedrückt immer ähnlicher.

Darum fallen Suchmaschinen heute auch nicht mehr auf die billigen Tricks von früher rein. Echte Leser können schliesslich auch nicht mit einigen strategisch platzierten Keywords zufrieden gestellt werden. Sie erwarten Antworten auf ihre Fragen. Und sie wollen über sinnvolle User Journeys auf natürliche Art und Weise dorthin geführt werden. Nun spielen plötzlich ganz andere Faktoren bei der Bewertung von Inhalten eine Rolle. Ist der Text verständlich formuliert? Beantwortet er wirklich die gestellte Frage? Ist der Text auch auf Mobile Devices gut lesbar?

Bilderbuch SEO orientiert sich deshalb nicht an Suchmaschinen, sondern an den tatsächlichen Nutzern. Das heisst, Inhalte sowie Zusammenhänge und User Journeys müssen sinnvoll kombiniert und verständlich kommuniziert werden. Wie in einem Bilderbuch eben. Nur wenn die Nutzer die Inhalte in dem Moment als relevant bewerten, in dem sie danach suchen, werden das auch Suchmaschinen tun. Mit anderen Worten: Die Zeit der reinen Suchmaschinenoptimierung ist vorbei. Inhalte müssen für Menschen optimiert werden, denn früher oder später wird sich eine Suchmaschine in ihrem Bewertungsverhalten kaum mehr von einem Menschen unterscheiden.