Achtung – Verwechslungsgefahr.

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Der Marketing-Wortschatz unterliegt wohl so stark wie wenig andere andauernden Veränderungen. Insbesondere aufgrund des digitalen Marketings kommen ständig neue Begriffe hinzu, davon unzählige Anglizismen. Die Verlockung, Bullshit-Bingo zu spielen, ist gross.

Es ist auch für mich eine grössere Herausforderung, mich dem Gebrauch dieser «Buzzwords» (oh, oh, Anglizismus!) zu entziehen als sie einfach in meinen täglichen Wortschatz zu integrieren. Selbst mit der Gefahr, gar nicht oder missverstanden zu werden – denn einheitliche Definitionen und Verwendung von Begriffen sind nicht per se gegeben.

In letzter Zeit stolpere ich immer wieder über grundsätzliche Begriffe – Problem, (Methodik), Lösung, Massnahme –, denen ich mich in diesem Blog-Beitrag widme. Danke fürs Lesen!

Problem

Probleme gehören zu jedem unternehmerischen Alltag, besonders im digitalen Marketing. Auf Unternehmensseite werden oft dieselben Probleme identifiziert. Werden sie von aussen an das Unternehmen herangetragen, fallen sie gern in die Kategorie «Beschwerde» oder der Ignoranz zum Opfer. Je nach Aus- oder Einwirkung auf das unternehmerische Ökosystem ernennt man Probleme zur Chefsache oder löst sie so gut als möglich im Rahmen des Daily Business.

Typische Probleme denen wir im digitalen Marketing begegnen:

  • Wir haben zu wenig Leads
  • Niemand liest unsere Blogs
  • Wir haben zu wenig Kunden (eCommerce)
  • Wir haben die falschen Leads
  • Unsere Content Performance ist schlecht
  • ...

«DAS PROBLEM SITZT VOR DEM RECHNER», ist eine alte IT-Binsenwahrheit, die ausgedient hat. Das Problem liegt in der Comfort Zone der Unternehmen.

Lösung

Die Lösung dient zur Behebung des Problems, entweder auf strategische oder konzeptionelle Art und Weise. Idealerweise eliminiert eine Lösung die Problemursachen, stiftet neuen Nutzen und bietet einen Mehrwert fürs Ökosystem. Es empfiehlt sich, die Hauptanspruchsgruppen des Problems als Crowdsourcing-Instrument einzusetzen, um relevante Lösungen zu identifizieren. So oder so sollte man sich Methoden bedienen - denn diese liefern Sicherheit, Vorgehen und Verifizierung im Prozess. Der Output von Lösungen fliessen oft in Konzepte oder auch Strategien und meistens in endlose Word Dokumente. Hier sollte man heute lieber Wert auf die Qualität setzen und nicht auf die Quantität und Lösungen visualisieren. Dies hilft in allen Belangen, versprochen!

Im Bereich des digitalen Marketings bieten sich folgende Methoden zur Lösungsfindung an:

  • Umfragen (quantitativ/qualitativ)
  • Recherchen
  • Hypothesen
  • A/B-Tests
  • Customer/User Journeys

Heute sind Lösungen oft auch Service-basiert, z.B. Online Service oder die Erarbeitung einer Webseite aus einer Service-Perspektive: Wir wollen schliesslich, dass der User versteht, um was es geht und er sich zurecht findet - was per se ein Servicegedanke ist. Right?

Massnahmen

Eine Massnahme kann als Teil der Problembehebung beziehungsweise der Lösung verstanden, aber auch ohne ein vorliegendes Problem ergriffen werden. Massnahmen im digitalen Marketing sind selten strategisch, maximal konzeptionell, und immer operativ. Sie basieren auf einer Strategie oder einem Konzept.

Typische Massnahmen im digitalen Marketing sind

  • Webseite oder Landingpage erstellen
  • Marketing Automationen einsetzen
  • Werbung ausspielen
  • Blogbeitrag schreiben
  • Newsletter versenden

Herausforderung

Die primäre Herausforderung liegt darin, von Problemen nicht direkt zu den Massnahmen zu hüpfen. Das wäre beispielsweise:

Wir haben zuwenig Traffic/ Anfragen (Problem), also schalten wir Werbung (Massnahme).

So werden relevante Fragestellungen ignoriert. Diese Fragestellungen dienen oft auch als Brücken zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer (intern wie auch extern). Also: Warum machen wir das nun? Welchem Zweck dient es? Was ist der Nutzen daraus? Dient diese Massnahme wirklich der Lösung des Problems?

Die Beantwortung solcher Fragen helfen, dass Problem-Lösung-Massnahme wirklich kongruent werden. Ohne eine konkrete Lösung durchzudenken und zu skizzieren, entstehen per se neue Probleme. Spätestens dann, wenn die falschen Leute erreicht werden und im CRM landen.

Aber wie ein bekanntes Sprichwort sagt: «Hope is not a strategy. Fear is not an option.»

Mir ist durchaus bewusst, dass die heutige Komplexität aufgrund zu hoher Vielfalt einen ermüdet und der Weg des geringsten Widerstands entsprechend verführerisch scheint. Aber wie ein bekanntes Sprichwort sagt: «Hope is not a strategy. Fear is not an option.»

Bei Werbeanzeigen ist der «Schaden» aufgrund überschaubarer finanzieller und personeller Ressourcen ja noch zu verkraften. Aber wenn ich sehe, wie viele Applikationen, Online-Services oder Webseiten diesen relevanten Teil überspringen, sehe ich das Geld vor meinem inneren Auge nur so aus dem Fenster flattern. Der Frust lässt dann nicht lange auf sich warten, wenn Dienstleistungen nicht genutzt, aber unterhalten werden müssen und entsprechend Geld kosten. Oder zwei Jahre später jemand kommt und eine neue Webseite empfiehlt.

Das Lösen von Problemen, in einer komplexen Welt, wie wir sie gegenwärtig erleben, kann sich bis in die Unternehmens-DNA und das Geschäftsmodell auswirken. Und das muss es im Grunde auch, damit Massnahmen auch wirklich durchdacht werden, den erwarteten Mehrwert generieren und etwas Gutes entstehen kann, was den veränderten Bedürfnissen der User/Kunden entspricht. Ob der Impuls aus dem Marketing, der Verkaufsabteilung oder der Produktion kommt, spielt keine Rolle.

Ich stelle auch immer wieder fest, dass wir Lösungen zu stark an einen festen Zeitpunkt koppeln und zu wenig als konstanten Weiterentwicklungsprozess wahrnehmen (bitte ohne pauschalen Optimierungszwang!). So werden wir immer wieder überrascht, wenn neue Probleme auftauchen, anstelle sie als konstanten Teil unseres unternehmerischen Alltags anzunehmen.

Inputs oder Fragen?

Über Inputs freue ich mich genau so wie über Fragen - zum Beispiel zu Tools oder Methodik. Einfach melden, i'm happy to serve.

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